Morgenseiten - 20 Minuten für mehr Kreativität - Nicola Krug
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Morgenseiten – 20 Minuten für mehr Kreativität

Meine tägliche Schreibpraxis

Die Morgenseiten, eine der bekanntesten Journaling-Übung, ist mein absolutes Lieblingsschreibritual. Seit einigen Jahren schon praktiziere ich diese Schreibgewohnheit konsequent und habe auf allen Ebenen davon profitiert. Ich habe mehr Kreativität und Leichtigkeit in meinem Leben entwickelt, gehe konkreter mit meinen Gedanken und Gefühlen um und habe wesentlich mehr Gelassenheit in meinem Alltag gewonnen.

 

Der beste Zeitpunkt für die Morgenseiten ist gleich nach dem Aufstehen und ich stehe dafür extra früher auf. Beinahe täglich, manchmal mutieren sie allerdings auch zu Nachmittags- oder Abendseiten, geschrieben werden sie aber jeden Tag.

 

„Man könnte sie auch Gehirnentleerung nennen,“ sagt die Erfinderin der Morgenseiten, Julia Cameron über diese Schreibpraxis. Und das schätze ich auch am allermeisten an dieser Routine – sie klärt meinen Geist, befreit mich vom Gedankenchaos und lässt mich fokussiert das Wesentliche erkennen.

 

Ich bin so überzeugt von dieser Schreibpraxis und profitiere Tag für Tag mehr davon, sodass ich meine Begeisterung gerne in diesem Beitrag mit dir teilen möchte. Diese Punkte beleuchte ich in diesem Beitrag:

  • Was sind Morgenseiten?
  • Wer hat sie erfunden?
  • Warum Morgenseiten?
  • Für wen sind sie geeignet – für wen nicht?
  • Wie werden sie geschrieben?

Was sind Morgenseiten?

 

Die Morgenseiten sind eine Gewohnheit, die als eine Art Schreibmediation verstanden werden kann. Diese Technik hilft uns Zugang zu unserer Kreativität zu erlangen und ermöglicht uns gleichzeitig, Einsichten zu erlangen und Änderungen in unserem Leben herbeizuführen. Durch dieses intuitive Schreiben nehmen wir Einfluss auf unser Gehirn, reduzieren Stress und finden Zugang zu unserer inneren Stimme. Wir finden unsere Identität und unseren Platz in der Ordnung des Universums.

 

Das alles passiert „nur“ durch das morgendliche Schreiben von 3 DIN-A4 Seiten. Die Seiten werden handschriftlich und absichtslos geschrieben, ohne sich Gedanken über Thema, Form oder Stil zu machen. Selbst Rechtschreibung und Grammatik sind für diese Methode nicht relevant. Vielmehr geht es darum, Worte automatisch ohne Zensur auf das Papier fließen zu lassen und sich so der eigenen Gedanken bewusst zu werden.

 

Wer hat die Morgenseiten erfunden?

 

Ob Julia Cameron (Julia Cameron Live) diese Methode tatsächlich erfunden hat, ist nicht 100 %ig erwiesen. Allerdings hat sie diese Methode und ihre Wirkung in ihrem berühmten Buch „Der Weg des Künstlers“ ausführlich beschrieben und damit vielen Menschen zugänglich gemacht.

Warum Morgenseiten?

Diese Schreibpraxis ist aufgrund ihrer einfachen Anwendung für wirklich Jede*n geeignet, löst Schreibblockaden und bietet viele Vorteile für den Alltag:

 

# Mehr Kreativität

Julia Cameron beschreibt die Morgenseiten als Technik, um die eigene Kreativität zu entfalten. Indem du deinen Geist von hinderlichen und blockierenden Gedanken löst, kommst du deinen eigenen Gedanken und Gefühlen schreibend näher. Du löst Blockaden auf, gewinnst Zugang zu Erinnerungen, entwickelst neue Perspektiven und bist in der Lage, deine Kreativität auszudrücken.

 

Die Auseinandersetzung mit deiner Innenwelt ist die Basis für Kreativität. Wenn wir unseren wir unseren Zensor hinter uns lassen, finden wir unsere eigene Mitte. Einen Ort, an dem wir eine kleine, zarte Stimme hören, die unsere schöpferische Gestaltungskraft freilegt.

 

# Mehr Fokus

Mit den Morgenseiten kommen wir auch mit unserem Schatten in Kontakt. Wir ziehen unsere Ängste und Sorgen quasi aus unserem Kopf und lassen sie aufs Papier fließen. So können sie uns im Laufe des Tages nicht überraschend ablenken und wir können uns besser auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren.

 

# Mehr Produktivität

Du gibst deinen Sorgen und Problemen einen eigenen Ort, wo sie gesehen, dokumentiert und wertgeschätzt sind. Damit zeigst du deinem Unterbewusstsein, dass es dich nicht pausenlos daran erinnern muss, du hast deinen Kopf frei für deine täglichen Aufgaben und Pläne. So bist du produktiver und kreativer.

 

# Mehr Achtsamkeit

Morgenseiten machen sichtbar, was gerade da ist ohne negatives Denken zu fördern. Du schenkst deinen Gedanken und Gefühlen täglich Aufmerksamkeit, wirst immer geübter darin, deine Innenwelt wahrzunehmen. Diese Achtsamkeit nimmst du automatisch mit in deinen Alltag und kannst effektiver auf Stress reagieren.

 

# Mehr emotionales Wohlbefinden

Indem du deine kritischen, ängstlichen und destruktiven Gedanken auf dem Papier zu Wort kommen lässt, fühlen sich diese gehört und müssen dich nicht tagsüber stören. Du unterbrichst ein ständiges Gedankenchaos, du wirst ruhiger und gelassener. Damit tragen die Morgenseiten effektiv zu deiner mentalen und emotionalen Hygiene bei.

 

Für wen sind sie geeignet – für wen nicht?

Grundsätzlich sind Morgenseiten für jeden geeignet, der schreiben kann, seine Kreativität und Produktivität verbessern, sich selbst besser verstehen und bewusster leben will. Damit sind die Morgenseiten eine großartige Methode der Persönlichkeitsentwicklung.

 

Sie sind als Begleitung in allen Lebensphasen einsetzbar und können auch in Krisenzeiten helfen. Allerdings sind sie KEIN Ersatz für eine professionelle Unterstützung in emotionalen Krisen oder bei psychischen Erkrankungen und ersetzen weder medizinische oder psychotherapeutische Begleitung.

 

Wie werden sie geschrieben?

 

Julia Cameron empfiehlt, gleich nach dem Aufstehen 3 Seiten lang ohne Zensur alles aufzuschreiben, was dir in den Sinn kommt. Diese Technik wird auch „Bewusstseinsstrom“ genannt.

Lass dich von der Seitenvorgabe nicht stressen – das ist eine Empfehlung, die du erfahrungsgemäß nach einiger Zeit Praxis locker erreichen wirst. Ich schreibe manchmal weniger, manchmal mehr als 3 Seiten. Je nachdem, was da und wichtig ist.

Warum morgens? Weil du gleich nach dem Aufwachen, noch nicht vollkommen in deinem Tagesbewusstsein angekommen bist und so leichter Zugang zu deinem Unterbewusstsein bekommst. So wird dir schnell klar, was dich wirklich beschäftigt. Wenn du magst, kannst du deine Morgenseiten auch im Bett schreiben. Morgens wirkt dieses Schreibritual am besten, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Falls du es einmal morgens nicht schaffst, kannst du auch zu einem anderen Zeitpunkt schreiben. Wichtig ist, dass dir diese Art der Schreibroutine Freude macht und nicht in Stress bringt.

Die Morgenseiten sollten handschriftlich verfasst werden. Das Schreiben wird vermutlich langsamer sein, als wenn du in den Rechner tippst und das ist auch so gewollt. Durch diese Verlangsamung förderst du die Achtsamkeit dir und deiner Innenwelt gegenüber.

Es gibt keine Regeln oder Themenvorgaben für das Schreiben der Morgenseiten. Es hat ALLES Platz, was da ist und dir in den Sinn kommt. Triviales, Belangloses, Uninteressantes, Emotionales, Alltägliches, Interessantes – wirklich ALLES.

Du darfst über die Erlebnisse deines vergangenen Tages reflektieren oder die To-Do´s des kommenden Tages. Ein belastender Streit oder anspruchsvolle Gefühle haben genauso ihre Berechtigung wie der Traum der letzten Nacht oder dein Unmut über diese Methode.

Du kannst in Stichworten, in vollständigen Sätzen oder in Geschichtenform schreiben, ganz so wie es dir gefällt.

Das Einzige, was es zu beachten gilt, ist nach drei Seiten den Stift zur Seite zu legen und deine Schreibpraxis zu beenden.

Jeder Mensch verkörpert eine Silbe, ein einmaliges, unverwechselbares Gewächs aus Konsonanten und Vokalen, eine lebende Silbe, unterwegs zum Wort, zum Text.

Peter Sloterdijk

Meine Empfehlung für dich

 

Die Morgenseiten sind eine fabelhafte Methode zur Selbstreflexion, das zu bahnbrechenden Veränderungen in deinem Leben führen kann. Diese Wirkung tritt allerdings noch nicht nach ein bis zwei Tagen ein, darum lohnt es sich mindestens vier Wochen dranzubleiben. Mehr Gelassenheit und Fokus in deinem Alltag wirst du aber schon wenigen Tagen merken.

Denke beim Schreiben nicht zu viel nach, sondern gib dich absichtslos dem Schreibfluss hin und versuche, den Stift nicht abzusetzen. So kommst du am schnellsten zur Essenz und erreichst die besten Ergebnisse.

Falls du das Schreiben in Gesellschaft einmal versuchen möchtest, findest du hier meine Workshop-Angebote für Schreibgruppen:

Kreatives Schreiben – Workshops – Nicola Krug

 

Fotocredit: pixabay.com

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