Wie du innere Antreibern erkennst und positiv nutzt - Nicola Krug
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Wie du innere Antreibern erkennst und positiv nutzt

„Ich sollte wieder einmal einen Blog-Artikel schreiben“, dieser Gedanke begleitet mich bereits seit einer Woche und ich kann mich nicht auf ein Thema festlegen. Seit letztem Freitag quäle ich mich mit diesem Gedanken und wäge immer wieder alle „Fürs & Widers“ meiner Ideen ab.

Als ich mir heute Vormittag wieder den Kopf darüber zerbreche, was ich schreiben will, wird mir plötzlich etwas bewusst. Vielleicht ist mein innerer Antreiber „Sei perfekt!“ die Ursache dafür, dass ich mich nicht entscheide sondern mich stattdessen selbst daran hindere, ins Tun respektive ins Schreiben zu kommen.

Er hat sich längere Zeit nicht mehr gemeldet, darum habe ich ihn nicht gleich erkannt. Und so hartnäckig wie er die letzten Tage war, braucht er wohl gerade viel Aufmerksamkeit.

„Soll er haben“, denke ich und ZACK ist das Thema da! Ich schreibe über ihn und seine Freunde, unsere inneren Antreiber.

Was sind innere Antreiber?

 

 

Innere Antreiber sind Botschaften und verinnerlichte Lebensregeln, die unsere Entscheidungen und Verhaltensweisen häufig unbewusst beeinflussen. Sie haben ihren Ursprung in unserer Kindheit. Durch wiederholte Erfahrungen, entsprechende emotionale Reaktion und deren Interpretation bildeten wir mit der Zeit innere Überzeugungen, wie wir uns zu verhalten haben, um geliebt zu werden.

Innere Antreiber können uns einerseits Sicherheit geben und unterstützen. Bei starker Ausprägung können Sie uns andererseits einengen, belasten, stressen und sogar ins Burn-Out treiben.

Die Transaktionsanalyse beschäftigt sich mit der Frage, warum sich Menschen so fühlen, verhalten und denken, wie sie es im Moment tun.  Sie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts vom US-amerikanischen Psychiater Eric Berne begründet und kennt fünf innere Antreiber.

Wenn du die Beweggründe und den Nutzen deines Verhaltens kennst, kannst du zielorientierter handeln

# Sei perfekt!

 

Menschen, bei denen dieser Antreiber stark ausgeprägt ist, haben häufig einen ernsten Gesichtsausdruck und eine angespannte Körperhaltung. Sie sehen an eigenen und an fremden Leistungen immer noch Fehler und Verbesserungspotenzial. Diese Menschen brauchen oft lange, um Entscheidungen zu treffen, weil sie alle Details ausreichend prüfen müssen und jede Entscheidung als Ergebnis statt als Anfang sehen. Das Gefühl „nie gut genug zu sein“ belastet sie, es fällt ihnen schwer zu entspannen und Kritik trifft sie persönlich.

Typische Überzeugungen:

 

„Ich muss immer alles richtig machen.“ bzw. „Ich darf keine Fehler machen.“

„Ich bin noch nicht gut genug.“ bzw. „Ich muss noch besser werden.“

 

 

# Sei stark!

 

Bei wem dieser Antreiber kräftig ausgeprägt ist, der versucht zu jeder vermeintlichen „Schwäche“ Distanz zu wahren. Solche Menschen versuchen unangreifbar zu wirken und die eigene Empfindsamkeit zu verbergen. Sie wollen um jeden Peis Kontrolle und Unabhängigkeit bewahren. Sie neigen dazu, ihre eigene Leistungsgrenze nicht zu kennen, weil sie sich selten fragen, was ihnen wirklich guttut. Ihre präsentierte Stärke ist ein Abgeschnittensein von den eigenen Emotionen sind und folgt oftmals in Einzelgängertum.

Typische Überzeugungen:

 

„Ich muss immer alleine zurechtkommen.“ bzw. „Ich darf nicht um Hilfe bitten.“

„Ich muss stark wirken.“ bzw. „Ich darf nicht zeigen, wenn ich verletzt bin.“

 

# Sei gefällig!

 

Dieser Antreiber ist an einem Menschen an seiner überaus herzlichen und zuvorkommenden Art erkennbar. Diese Person wird viel lächeln und immer fragen, ob sie dir etwas Gutes tun kann. Durch die starke Bedürfnisorientierung an anderen, kann so ein Typ schlecht für die eigene Bedürfniserfüllung sorgen, NEIN sagen und sich abgrenzen. Oft vertritt diese Person keinen klaren Standpunkt und vermeidet Konflikte.

Typische Überzeugungen:

 

„Ich muss von allen akzeptiert und gemocht werden.“ bzw. „Ich darf mich nicht auf eine Weise verhalten, die aneckt.“

„Ich muss immer offen und hilfsbereit sein.“ bzw. „Ich darf nie NEIN sagen oder widersprechen.“

 

# Streng dich an!

 

Wenn dieser Antreiber stark ausgeprägt ist, empfindet eine Person etwas Erreichtes nur als wertvoll, wenn es unter Anstrengung gelungen ist und gibt sich nicht zufrieden mit Dingen, die leicht erreicht wurden. Das Leben wird als ständige Mühe betrachtet und Herausforderungen jeglicher Art werden ziehen ihn magisch an. Auf diesen Menschen lastet enormer Druck, was in der häufig benutzten Formulierung „Ich muss….“ zum Ausdruck kommt.

Typische Überzeugungen:

 

„Ich muss kämpfen und mich bemühen.“ bzw. „Ich darf nicht aufgeben.“

„Ich muss hart für etwas arbeiten.“ bzw. „Ich darf mich nicht über leicht erreichte Ziele freuen.“

 

# Beeil dich!

 

Wer gelernt hat, im Leben immer schnell sein zu müssen, wirkt meist hektisch und getrieben. Solche Leute haben das Gefühl, dass Zeit knapp ist und man sofort handeln muss, um gute Gelegenheiten nicht zu verpassen. Nichtstun fühlt sich falsch an und sie sind ständig in Bewegung. Ungeduldig und gehetzt können diese Hektiker*innen schlecht entspannen. Ihr Tempo kann auch auf ihr Umfeld anstrengend und stressig wirken.

Typische Überzeugungen:

 

„Ich muss die Zeit optimal nutzen.“ bzw. „Ich darf keine Zeit verschwenden.“

„Ich muss immer in Bewegung bleiben.“ bzw. „Ich darf mich nicht entspannen oder nichts tun.“

Du willst glücklich sein? Dann hör auf, perfekt sein zu wollen!

Brené Brown

Niemand ist ohne Antreiber. Sie wurden durch elterliche Forderungen in der Kindheit in unserem Bewusstsein verankert. Durch Ermahnungen, Anweisungen, beispielhaftes Vorleben der Eltern und/oder anderer Autoritätspersonen sollten uns Botschaften und Handlungsoptionen vermittelt werden, wie wir das Leben meistern können.

Antreiber wurden mit einer guten Absicht und einem positiven Ziel vermittelt und haben auch gute Aspekte. Wer nach dem Antreiber „Sei perfekt!“ lebt, hat einen hohen Qualitätsanspruch, was fast immer zu sehr guten Leistungen führt.

Der Antreiber „Sei stark!“ beschert Menschen ein hohes Leistungs- und Durchhaltevermögen, was sie hartnäckig an Dingen dranbleiben lässt, wo andere aufgeben.

Wer nach dem Gefälligkeitsprinzip lebt, hat meist sehr ausgeprägte soziale Antennen, nimmt unausgesprochene Stimmungen in Beziehungen wahr und ist aufgrund eines angestrebten Harmoniebedürfnisses ein*e diplomatische*r Vermittler*in.

„Streng dich an!“-Orientierung führt zu hoher Beharrlichkeit und einem auffälligen Durchhaltevermögen. Dieser Typ übernimmt gerne Verantwortung und gibt alles, sein Ziel zu erreichen.

Menschen, die unter der Maxime „Beeil dich!“ leben, sind meist sehr produktiv und setzen in kürzester Zeit viele Dinge um.

Problematisch wird es allerdings, wenn wir im Stress sind und unser Gefühl „Ich bin in Ordnung und liebenswert“ ins Wanken gerät. Durch innere Antreiber, die im Autopilot ablaufen, verstärkt sich das, denn schließlich sind sie unsere gelernten Strategien, um uns OKAY zu fühlen.

Was man nicht annimmt, kann man nicht ändern!

Carl Gustav Jung

Nutze deine inneren Antreiber positiv

 

Um das automatisch ablaufende Muster zu durchbrechen, ist der erste Schritt das Bewusstmachen der eigenen Antreiber. Denn nur was dir bekannt und bewusst ist, auf das kannst du aktiv Einfluss nehmen.

 

Schenke dem Anteil deines Antreibers Mitgefühl, der dich Erschöpfung fühlen lässt, weil er ZU VIEL will. Von der intensiven Wirkung deiner inneren Antreiber befreist du dich, indem du dir die Erlaubnis gibst, anders zu handeln. Wenn du die Formulierungen „Ich muss immer….“ in „Ich kann…“ oder „Ich darf…“ umwandelst, nimmst du viel Druck raus und du spürst, dass du die freie Wahl hast.

 

Stärke den „Erlauber„. Jeder Antreiber ist mit einer Botschaft verbunden, die dich verstärkt die negative Seite leben lässt. Indem du eine neue Botschaft mit dem Antreiber verbindest und dir erlaubst, auch anders handeln zu dürfen, durchbrichst du stressige Handlungsmuster.

 

Mögliche „Erlauber“ für deine inneren Antreiber:

 

Sei perfekt!: „Gut ist gut genug.“ oder „Ich lerne aus meinen Fehlern.“

 

Sei stark!: „Wenn ich Gefühle zeige, bin ich stark.“ oder „Ich darf um Hilfe bitten.“

 

Sei gefällig!: „Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die der anderen.“ oder „Ich darf mich anderen zumuten.“

Streng dich an!: „Das Leben ist einfach.“ oder „Auch wenn es leicht geht, ist es wertvoll.“

 

Beeil dich!: „Ich darf Pausen machen.“ oder  „Ich darf entscheiden, ob und wann ich mich beeile.“

Die inneren Antreiber haben einen wesentlichen Anteil darauf, wie wir unser Leben gestalten. Darum ist es umso wichtiger und ein Akt von Selbstfürsorge, uns diese verinnerlichten Muster bewusst zu machen und so einen großen Teil an Stress und Erschöpfung in unserem Leben vermeiden.

Die freie Wahl in jeder Situation selbstbestimmt zu entscheiden, wie wir uns verhalten möchten und das bessere haushalten mit unseren Ressourcen, ist eine enorme Energiequelle für uns.

In meinem Fall bedeutet das, ich erlaube mir, einen unperfekten Text zu schreiben. Ich darf auch Fehler machen, denn durch Fehler lerne ich und entwickle mich weiter. Das fühlt sich richtig gut an und nimmt ganz viel Druck raus.

Wenn du jetzt neugierig geworden bist, was dich so antreibt und von welchen Glaubenssätzen du dominiert wirst, kann dieser Test weiterhelfen:

Antreiber Test – Kostenlos online durchführen oder als PDF-Download (transaktionsanalyse-online.de)